| Veranstaltung: | Frühjahrs-Landesmitgliederversammlung 2026 der GRÜNEN JUGEND NRW |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8 Verschiedene Anträge |
| Antragsteller*in: | KV Dortmund, KV Bochum (dort beschlossen am: 31.03.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 31.03.2026, 23:26 |
V10: Kein Einzelfall – Für eine machtkritische und diskriminierungsfreie Polizei in NRW
Antragstext
Wenn das System tötet
Der Tod von George Floyd in den USA löste weltweit Proteste aus, doch auch in
Deutschland ist tödliche Polizeigewalt bittere Realität. Fälle wie die tödlichen
Schüsse auf Lorenz A. in Oldenburg 2025 oder der Fall des 16-jährigen Mouhamed
Dramé 2022 in Dortmund zeigen: Gewaltanwendung ist kein „Ausrutscher“, es ist
ein strukturelles Problem, das durch mangelnde Fehlerkultur und fehlende
unabhängige Kontrolle begünstigt wird und inzwischen tief im polizeilichen
Handeln verankert ist.
Während bei Lorenz A. und George Floyd rassistische Strukturen tödliche Folgen
hatten, verdeutlicht der Fall Dramé zusätzlich das fatale Versagen im Umgang mit
Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. Wenn die Polizei mit
Maschinenpistolen auf suizidale Jugendliche reagiert, ist
das kein Schutz, sondern ein Systemfehler!
Struktur vor Einzelfall
Die Polizei nimmt für den Staat das Gewaltmonopol wahr, doch in der Praxis wird
diese „Lizenz zur Gewalt“ oft normalisiert.
- Struktureller Rassismus: Rassistisch markierte Menschen werden häufiger
kontrolliert und erleben öfter rechtswidrige Gewalt.
- Das Korpsgeist-Problem: Ermittlungen gegen Polizist*innen scheitern meist
an der gegenseitigen Deckung und der Nähe zwischen Staatsanwaltschaft und
Polizei. Nur rund 9 % der Betroffenen erstatten überhaupt Anzeige, weil
sie kein Vertrauen in das System haben
- Rechte Netzwerke: Chatgruppen mit verfassungsfeindlichen Inhalten und
Verstrickungen in Netzwerke wie „Hannibal“ zeigen, dass extrem rechte
Einstellungen in der Polizei ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko darstellen.
- Digitale Diskriminierung: Durch den Einsatz von Analysesoftware wie
Palantir droht eine automatisierte Festschreibung von Vorurteilen
(Predictive Policing), die vor allem marginalisierte Gruppen trifft.
Die Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend NRW soll
beschließen:
Unsere Forderungen für NRW:
Wir fordern eine grundlegende Transformation der Polizeiarbeit in Nordrhein-
Westfalen.
Die Umsetzung dieser Punkte ist eng mit der kommenden Landtagswahl verknüpft.
Wir setzen uns als GJ NRW für eine grundlegende Transformation der Polizei ein
und werden diese Forderungen mit Nachdruck in die anstehenden Verhandlungen
einbringen. Denn wir brauchen eine Polizei, die niemanden ausschließt und
Sicherheit für alle garantiert.
- Unabhängige Beschwerde- und Ermittlungsstellen: Wir fordern die
Einrichtung und Besetzung einer vollständig unabhängigen
Polizeibeschwerdestelle mit eigenen Ermittlungsbefugnissen und
Akteneinsichtsrecht. Diese muss außerhalb der Hierarchie der
Polizeibehörden und des Innenministeriums angesiedelt sein
- Multidisziplinäre Krisenintervention: Bei Einsätzen in psychischen
Ausnahmesituationen müssen soziale, psychiatrische und medizinische
Fachkräfte den Lead übernehmen. Die Polizei sollte hier nur im absoluten
Notfall und unterstützend tätig werden und im Fall von Einsätzen mit
psychisch erkrankten Personen ohne Maschinenpistolen und Taser auftreten
- Schluss mit Racial Profiling: Wir fordern die Abschaffung von §12 Abs. 1
Nr. 2 PolG NRW, der „gefährlichen Orte“, die polizeiliche Willkür und
rassistische Kontrollen legitimieren.
- Verpflichtende Kennzeichnung & Transparenz: Einführung einer
flächendeckenden, individuellen Kennzeichnungspflicht für alle
Polizeikräfte.
- Machtkritische Ausbildung: Lehrpläne müssen verpflichtende Module zu
Ethik, Rassismuskritik und der historischen Rolle der Polizei enthalten.
- Perspektivwechsel in der Kommunikation: Die Öffentlichkeitsarbeit der
Polizei muss neutraler werden. In der Berichterstattung muss die
Perspektive von Betroffenen und zivilgesellschaftlichen Beobachter*innen
gestärkt werden, um das Narrativ der „unfehlbaren Polizei“ zu brechen.
- Verbot diskriminierender Software: Wir lehnen den Einsatz von Softwares
der Firma Palantir und ähnlichen, auch europäischen alternativ Tools ab,
die auf rassistischen Daten basieren und Grundrechte gefährden.
- Ressourcen umverteilen: Wir setzen uns für eine Umschichtung von
Polizeimitteln hin zu präventiver Sozialarbeit, Community-Projekten und
unabhängiger Opferberatung ein.
- Verpflichtende Bodycams: Wir fordern den flächendeckenden Einsatz von
Bodycams, die bei jedem Einsatzkontakt verpflichtend eingeschaltet werden
müssen. Sie dienen der objektiven Beweissicherung und müssen insbesondere
Betroffenen von Polizeigewalt zugänglich gemacht werden, um die
Aufarbeitung rechtswidriger Gewalt zu ermöglichen. Hierbei soll ein
Revisionsrecht für Betroffene gelten. Aufnahmen dürfen nicht willkürlich
gelöscht werden und nicht zur Gesichtserkennung eingesetzt werden.
- Unabhängige Studie: Es wird eine unabhängige Studie zu den ideologischen
Einstellungen von Poliziebeamt*innen erstellt, die sich insbesondere auf
Rassismus und Rechtsextremismus fokussiert.
Begründung
Quelle der Statistiken: https://www.rosalux.de/news/id/54164/die-polizei-und-ihre-lizenz-zur-gewalt
Änderungsanträge
- V10-041 (Landesvorstand GRÜNE JUGEND NRW (dort beschlossen am: 07.04.2026), Eingereicht)