| Veranstaltung: | Frühjahrs-Landesmitgliederversammlung 2026 der GRÜNEN JUGEND NRW |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 8 Verschiedene Anträge |
| Antragsteller*in: | GRÜNE JUGEND Köln (dort beschlossen am: 23.03.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 31.03.2026, 19:32 |
V4: Behinderungsforschung nicht hindern - Inklusionsforschung fördern
Antragstext
Am 03.12.2025 hat die Humanwissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln
bekanntgegeben, dass die “internationale Forschungsstelle Disability Studies”
(iDiS) und die “Professur für Soziologie und Politik der Rehabilitation,
Disability Studies” im Zuge weitreichender Streichungen aufgelöst werden sollen.
Um die Schließung zu verstehen ist wichtig: Bildung ist grundsätzlich
Ländersache. Dabei besteht etwa 80% der Finanzierung von Hochschulen aus der
Grundfinanzierung des jeweiligen Bundeslandes. Damit verwalten sich die
Universitäten größtenteils selbst. Sie kümmern sich um die Berufung und
Bezahlung von Professor*innen, den Gehältern des Personals und die Infrastruktur
für Forschung und Lehre.
Die Landesregierung NRW plant Kürzungen von 158 Millionen Euro pro Jahr im
Hochschulbereich: Bei der jährlichen Grundfinanzierung, die den Hochschulen für
die Bezahlung des Personals und die Infrastruktur zustehen, sollen 120 Millionen
Euro wegfallen. Dazu kommt eine einmalige Abgabe von 240 Millionen Euro aus den
Rücklagen der Hochschulen. Fixkosten, wie Miete und Energie, kann schwer gekürzt
werden. Deshalb wird bei Personal und Lehrangebot gespart und 7-8% der Stellen
gestrichen. Das führt nicht nur zu weniger Vorlesungen, Unterstützungsangeboten
und höheren Studiengebüren, sondern auch zur Streichung von kleineren
Studiengängen. Vielfalt im Studienangebot wird abgebaut.
In Köln sollen 10 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. 60 % davon bei
Fakultäten, 40 % bei zentralen Diensten und Verwaltung. Leider wurde damit auch
die Streichung der “iDiS” beschlossen.
Diese Streichung kommt nach Ankündigungen, laut denen das “Zentrum für
Disability Studies und Teilhabeforschung” (ZeDiSPlus) in Hamburg aufgelöst
werden soll. Damit bleibt in Deutschland nur noch das “Bochum Center for
Disability Studies” (BODYS) bestehen. 2/3-tel der Forschungskapazität fällt weg!
Was sind Disability Studies?
Disability Studies sind ein transdisziplinäres, international ausgerichtetes und
höchst innovatives Forschungsfeld, das traditionelle Sichtweisen auf Behinderung
hinterfragt und neue Denkweisen anregt: Im Mittelpunkt steht die Analyse von
Behinderung als soziales Phänomen. Ihr Ansatz ist damit gesellschaftskritisch
und grundlagentheoretisch angelegt – Behinderung wird nicht als individuelles
Defizit verstanden, sondern die gesellschaftlichen Barrieren werden ebenso in
den Blick genommen wie die Normierungs- und Normalisierungsprozesse sozialer
Ungleichbehandlung.
Seit den frühen 2000er-Jahren sind die aus den internationalen
Behindertenbewegungen hervorgegangenen Disability Studies auch im
deutschsprachigen Raum an verschiedenen Hochschulen und Universitäten vertreten.
Es gibt Forschungsaktivitäten und Lehrangebote, aber es gibt noch keine
eigenständigen Studiengänge.
Disability Studies verstehen sich als Querschnittsdisziplin; sie entwickeln
neues Wissen, Theorien und Methoden, die weit über den traditionellen
Behinderungsdiskurs hinausgehen und den Grundsatz „Nichts über uns ohne uns“
praktisch umsetzen. Zentral ist die gleichberechtigte Partizipation von Menschen
mit Behinderungen.
Warum Disability Studies unverzichtbar sind
Dieses Forschungsfeld zu erhalten und auszubauen, muss für uns als GRÜNE JUGEND
Priorität haben. Wir sind als solidarischer und inklusiver Verband darauf
angewiesen, dass Grundlagenforschung zu Inklusion, Partizipation und weiteren
Teilen des Behindertendiskurses stattfindet, damit wir unsere Prozesse, unser
Zusammenleben im Verband und unsere politischen Forderungen verbessern und
schärfen können. Außerdem ist Disability Studies ist einer der wenigen
Forschungsbereiche in Deutschland, in dem behinderte und nichtbehinderte
Menschen zusammen am Abbau von Barrieren und der Verbesserung von Inklusion
forschen und arbeiten.
Wie oben beschrieben, wird Behinderung in den Disability Studies als ein
gesellschaftliches Problem betrachtet; von einer Gesellschaft, die unnötige
Barrieren aufgebaut hat und so bestimmte Menschen in ihrer gesellschaftlichen
Teilhabe einschränkt, anstatt Behinderung ausschließlich zu individualisieren,
wie es sonst oft passiert.
Daraus entwickelt sich für uns als intersektionaler und antikapitalistischer
Verband eine besondere Relevanz des Forschungsfeldes.
Zusätzlich ist Deutschland als Unterzeichner der UN-BRK (UN-
Behindertenrechtskonvention) dazu verpflichtet, die Förderung einer inklusiven,
barrierefreien Gesellschaft voranzutreiben. Der Abbau der Disability Studies
widerspricht diesem Auftrag diametral. Deutschland verliert bei der Umsetzung
der UN-BRK auf mehreren Ebenen den Anschluss an andere Länder. Ob es in der
schulischen Bildung, im öffentlichen Raum oder in der Politik ist. In anderen
Ländern, wie den USA, Großbritannien, den Niederlanden und mehreren
skandinavischen Ländern wird aktiv in den Disability Studies geforscht.
Disability Studies sind essentiell, um das Zusammenleben in Deutschland
solidarischer, fairer und barrierefrei zu gestalten. Deutschland darf nicht den
Anschluss verlieren.
Forderungen
Deshalb stellen sich für die Grüne Jugend NRW folgende Forderungen heraus,
welche sich sowohl an das Rektorat der Universität zu Köln als auch an die
Landesregierung NRWs, respektive das Ministerium für Kultur und Wissenschaft
NRW.
Wir fordern die schnellstmögliche Finanzierung und Wiederaufnahme des
Arbeitsbereichs "Disability Studies", samt Professur für Soziologie und Politik
der Rehabilitation, Disability Studies und der Internationalen Forschungsstelle
Disability Studies (kurz iDiS).
Zur möglichst reibungslosen Fortsetzung der Forschung soll kurzfristig die
Weiterbeschäftigung der Forschenden und Mitarbeitenden angestrebt und außerdem
ein eigener Studiengang als Ziel gesetzt werden.
Außerdem fordern wir, dass das Bochum Center for Disability Studies (BODYS), als
letzte Forschungseinrichtung seiner Art in Deutschland, nicht auch noch
geschlossen wird. Wir brauchen Disability Studies in Deutschland und auch in
NRW.
Deutschland kommt seit Jahren schon so nicht seinen Verpflichtungen der UN-BRK
nach, weshalb wir eine besondere Beachtung seltener Studiengänge und
Forschungsbereiche bei drohenden Kürzungsmaßnahmen fordern, die an strukturellen
und gesellschaftlichen Wegen zu mehr Inklusion und Teilhabe forschen.
Daher sollte die GRÜNE JUGEND NRW verstärkt in den Austausch mit studentischen
Organisationen und Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderung treten.
Mit dem Beschluss dieses Antrags spricht sich die GRÜNE JUGEND NRW für die
Petition des “Disability Studies Deutschland e.V.” aus und unterstützt den
offenen Brief des “Netzwerk Disability Studies” mit ihren Forderungen.
Außerdem setzt sich die GRÜNE JUGEND NRW für die Umsetzung der Forderungen
gegenüber der Partei und dem Bundesverband der GRÜNEN JUGEND ein, dazu gehört
auch ein Einsetzen für allgemein stärkere Anstrengungen in Sachen Inklusion in
ganz Deutschland.
Antrag in einfacher Sprache
Kündigung von Disability Studies in Köln
Am 3. Dezember 2025 hat die Universität zu Köln eine wichtige Nachricht bekannt
gegeben.
Die Universität hat gesagt: Es soll große Veränderungen geben.
Dazu gehört: Die internationale Forschungsstelle Disability Studies (iDiS) soll
geschlossen werden.
Auch die Professur für Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability
Studies, soll geschlossen werden.
Warum soll das passieren?
Bildung ist in Deutschland Aufgabe von jedem Bundesland.
Das Bundesland gibt etwa 80 % von dem Geld für Universitäten.
Die Universität kümmert sich dann um Professuren, Gehälter und die Gebäude für
Forschung und Lehre.
Im Bundesland Nordrhein-Westfalen soll weniger Geld an die Universitäten gezahlt
werden.
Die Regierung will pro Jahr 158 Millionen Euro weniger geben.
Alle Hochschulen bekommen dann von diesem Geld weniger:
- 120 Millionen Euro weniger für wichtige Ausgaben wie Personal und Gebäude.
- Zusätzlich soll eine einmalige hohe Summe von 240 Millionen Euro aus den
Rücklagen der Hochschulen genommen werden.
Einige Sachen kosten immer gleich viel, wie die Miete oder der Strom.
Darum wird dann bei den Menschen gespart, die an der Universität arbeiten.
Das bedeutet: Es gibt weniger Kurse und weniger Hilfe für die Studierenden.
Auch kleine Studienfächer werden gestrichen.
Dann gibt es weniger Auswahl für Studierende.
In Köln muss die Universität 10 Millionen Euro pro Jahr weniger ausgeben.
Ein großer Teil davon wird bei den Fakultäten gespart.
Auch darum wird die Forschungsstelle für Disability Studies gestrichen.
Noch mehr Forschungseinrichtungen werden geschlossen
Auch in Hamburg soll ein Zentrum für Disability Studies geschlossen werden.
Nur in Bochum gibt es dann noch ein Disability Studies Zentrum.
Das heißt: Zwei von drei solcher Forschungsstellen gibt es dann nicht mehr in
Deutschland.
Was sind Disability Studies?
Disability Studies ist ein Forschungsgebiet.
Forschung bedeutet: Man sammelt Wissen über ein Thema.
In Disability Studies geht es um das Thema Behinderung.
Wichtig: Disability Studies kommen aus der Behindertenbewegung.
Disability Studies schauen: Wie spricht die Gesellschaft über Behinderung?
Sie sagen: Behinderung ist ein Problem der Gesellschaft, nicht nur von einzelnen
Menschen.
Es geht auch um die Frage: Was hindert Menschen mit Behinderungen? Welche
Barrieren gibt es?
Barrieren sind zum Beispiel: Treppen ohne Rampe, schwere Sprache oder Gesetze,
die ausschließen.
Es gibt Disability Studies schon seit vielen Jahren an Hochschulen in
Deutschland.
Aber es gibt noch keinen eigenen Studiengang, also keine eigene Ausbildung nur
in diesem Bereich.
Wer forscht und arbeitet in Disability Studies?
In Disability Studies arbeiten Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung
zusammen.
Sie forschen zusammen an Möglichkeiten, damit alle Menschen besser teilhaben
können.
Ein wichtiger Leitsatz ist: "Nichts über uns ohne uns."
Das heißt: Menschen mit Behinderung reden immer mit, wenn es um ihre Themen
geht.
Warum sind Disability Studies wichtig?
Wir, die GRÜNE JUGEND NRW, finden: Disability Studies sind sehr wichtig!
Wir wollen, dass es in Deutschland mehr Forschung zu Inklusion und Teilhabe
gibt.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen gehören dazu.
Disability Studies helfen uns zu verstehen, wo es Barrieren gibt und wie wir sie
abbauen können.
Nur wenn wir wissen, welche Probleme es gibt, können wir sie lösen.
In Disability Studies wird gesagt: Nicht Menschen sind das Problem, sondern die
Gesellschaft, die Barrieren aufbaut.
Diese Sicht hilft besonders, wenn man sich gegen Diskriminierung und für mehr
Gerechtigkeit einsetzt.
Uns ist wichtig: Niemand darf ausgeschlossen werden!
Deutschland muss mehr tun!
Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben.
Das ist ein Vertrag.
Darin steht: Deutschland muss sich für mehr Inklusion und Barrierefreiheit
einsetzen.
Wenn Disability Studies geschlossen werden, ist das schlecht.
Denn dann gibt es weniger Wissen über Inklusion.
Andere Länder, wie die USA, Großbritannien oder die Niederlande, machen mehr
Forschung über Disability Studies.
Deutschland darf nicht zurückfallen.
Was fordern wir?
Wir, die GRÜNE JUGEND NRW, haben diese Forderungen:
- Wir wollen, dass Disability Studies in Köln weiter bestehen.
- Die Forscherinnen und Forscher sollen ihre Arbeit behalten.
- Es soll einen eigenen Studiengang geben.
- Das Bochum Center für Disability Studies soll weiter bestehen bleiben.
- Die Politik in NRW soll sich für Disability Studies einsetzen.
- Studienfächer wie Disability Studies dürfen nicht gestrichen werden.
- Die GRÜNE JUGEND soll mit anderen Menschen und Gruppen reden, die sich für
Menschen mit Behinderung einsetzen.
Wir unterstützen die Petition von Disability Studies Deutschland und den offenen
Brief vom Netzwerk Disability Studies.
Wir wollen, dass unsere Partei und andere dafür kämpfen, dass Inklusion in ganz
Deutschland besser wird.
Wichtige Begriffe:
- Disability Studies: Hier wird geforscht, wie die Gesellschaft über Behinderung
denkt und spricht. Es geht darum, Barrieren zu erkennen und abzubauen.
- Inklusion: Alle können überall mitmachen, niemand wird ausgeschlossen.
- Barrierefreiheit: Alles ist so gemacht, dass alle Menschen mit und ohne
Behinderung es nutzen können.
- UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK): Ein Vertrag der Vereinten Nationen.
Deutschland hat den unterschrieben und muss sich für die Rechte von Menschen mit
Behinderung einsetzen.
Begründung
Erfolgt mündlich